Rückblick zur Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag 2021

Stadt Bad Ems • 15. November 2021
Alljährlich kommen viele ehrenamtlich Aktive sowie weitere Bürgerinnen und Bürger am Ehrenmal zusammen, um am Volkstrauertag den Opfern von Gewalt und Krieg zu gedenken. Sowohl die Freiwillige Feuerwehr, der DRK Ortsverband, Veteranen der Bundeswehr und Vertreter der Kirchen, wohnten abermals der kurzweiligen Veranstaltung bei.  
In der Feierfolge begleitete der Sankt Martins Chor unter der Leitung von Martin Chrost mit passenden und musikalisch anspruchsvollen Stücken das Programm. Zugegen waren auch in Vertretung des Landrats Frau Gisela Bertram als Erste Kreisbeigeordnete und Birk Utermark in Vertretung für den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Uwe Bruchhäuser. Unterstützt wurde Stadtbürgermeister Krügel vom Ersten Beigeordneten Frank Ackermann und den Bauhofmitarbeitern Rolf Daniel und Werner Breuer. Bei der Kranzniederlegung unterstützten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr. Für die katholische Kirche hielt Pfarrer Scheungraber eine Andacht und den Abschluss gestaltete Trompeter Gunter Gruner.  
Oliver Krügel bedankte sich bei allen Beteiligten, die so für einen würdigen Rahmen sorgten. 
In seiner Rede ging der Stadtbürgermeister auf einige Perspektiven, Heimatgeschichte und aktuelles Weltgeschehen ein. 
Die Rede zitieren wir ungekürzt nachstehend:

Rede des Stadtbürgermeisters Oliver Krügel zum Volkstrauertag 2021

Volkstrauertag – jedes Jahr ähnliche Reden, ähnliche Zeremonien, landauf, landab, in großen Städten, in kleinen Dörfern, zumeist an Gedenkstätten für die Gefallenen der Weltkriege. Das gibt es auch in anderen Staaten, mitunter als Feier des Sieges über Hitler-Deutschland, stets verbunden mit dem Gedenken an die Gefallenen. In Tschechien z. B., so erzählte mir meine Mutter, gibt es den „Den boje za svobodu a demokracii“ – den „Tag des Kampfes für Demokratie und Freiheit“.

Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt kennt keine Grenzen. Ob in Stalingrad ein Soldat der Roten Armee oder ein Soldat der Wehrmacht gefallen ist, in Vietnam ein Vietkong oder ein GI, überall blieben und bleiben Menschen zurück, die trauern. Und ich denke, auch ein gefallener Taliban hinterlässt Angehörige, die trauern, die vielleicht Zweifel haben.

Volkstrauertag, das war zunächst einmal das Gedenken an die Toten der Weltkriege. Heldengedenktag hieß das anfangs.

Kennen Sie Karlie Goebel? Ein Emser Junge, drüben vom Spieß. Sohn des Hoffotografen Julius Goebel.

Mit Begeisterung zog er 1914 an die Front. Und dann kam die grausame Realität des Krieges. Karlies Briefe können Sie nachlesen in den Bad Emser Heften des Geschichtsvereins. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Junge als Held fühlte, wenn er verschwitzt und verdreckt durch die Schützengräben lief. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sein letzter Gedanke war, nun für Kaiser und Vaterland zu sterben, als ihm ein Bauchschuss das Leben nahm. Sein Name müsste hier irgendwo auf den Steinen stehen, er war gerade 22 Jahre alt. Er wollte gewiss kein Held sein. Er war, so sollten wir es wohl sehen, einer von uns. Ein zweiter Weltkrieg folgte, und der Holocaust, und dann seit nunmehr einem dreiviertel Jahrhundert der Frieden. Mit dem zeitlichen Abstand verblasste die Erinnerung, immer weniger Menschen lebten, die noch selbst einen Sohn oder einen Bruder an der Front oder Verwandte in den Bombennächten und unter herabstürzenden Trümmern verloren haben.

Auf der anderen Seite wuchsen Generationen in einem neuen Europa heran, Generationen, für die die Begegnung mit den Nachbarn, das Erleben anderer Sprachen und Kulturen, der Austausch, das Überqueren offener Grenzen und mittlerweile auch das Bezahlen in derselben Währung Selbstverständlichkeiten sind. Generationen, für die es immer fremdartiger wurde, wenn die Alten vom Krieg oder von ihrer Vertreibung erzählten.

Auch ich gehöre einer Generation an, für die ein Leben in Frieden und Freiheit selbstverständlich ist und die es gewohnt ist, kreuz und quer durch Europa zu reisen. Gut so, ich bin dankbar dafür. Aber es ist auch gut und wichtig, von Zeit zu Zeit innezuhalten, sich klar zu machen: das ist keine Selbstverständlichkeit. Dieses Europa ist aus einer leidvollen Erfahrung heraus entstanden. Es ist nicht perfekt, aber es ist das beste Europa, das wir je hatten. Getragen von gemeinsamen Werten.

Die Geschichte Europas ist nicht nur eine der Kriege. Bad Ems ist nun Teil eines länderübergreifenden Welterbes, das für eine Leistung Europas steht. Ich stelle mir diesen Platz, an dem wir gerade stehen, im 19. Jahrhundert vor. Da gab es kein Ehrenmal.

Da spazierten Menschen aus ganz Europa über die Kurpromenade, aus Preußen und Russland, aus Frankreich und England. Sie sprachen miteinander, tauschten sich aus, über Politik, über die neuesten Erfindungen, die neuesten Eisenbahnstrecken. Sie alle waren willkommen in Europas Kurorten. In den Bibliotheken legte man ihnen die internationale Presse aus, in den Kursälen bot man ihnen Auftritte der internationalen Stars. Man baute ihnen Kirchen, evangelische, katholische, orthodoxe, anglikanische und Synagogen. Weltoffenheit, Toleranz – die bedeutenden Kurorte Europas boten vieles, was später verloren ging und was wir uns nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam wieder erarbeiten mussten. Die Geschichte ist immer auch eine Geschichte des Austauschs, der Vielfalt, der Toleranz und der Entwicklung gemeinsamer Werte. Nun haben wir gelernt und bitter erfahren müssen, dass wir diese Werte nicht einfach exportieren können, wie wir unsere Autos und unsere Impfstoffe exportieren. Mit den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr, mit den ersten Opfern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam auch die Erfahrung von Krieg und Tod zurück –nicht millionenfach, wie 1945, aber doch ganz real.

Der Volkstrauertag hat damit keine neue Bedeutung bekommen, aber sein Kern, das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt, rückt uns wieder näher.

Heute, zum Volkstrauertag 2021, gibt es in Deutschland sicher kaum eine Gedenkveranstaltung, in der nicht Afghanistan präsent ist, in Ansprachen oder doch in den Gedanken der Menschen. Ich werde hier und heute nicht die Fragen nach dem Sinn des Afghanistaneinsatzes stellen. Unsere Werte können wir nicht einfach exportieren. Aber wir müssen für sie einstehen. Und das auch in Zukunft über Deutschland, über Europa hinaus. So wie unsere Wirtschaft global ist, so global ist das Klima und so global ist der Wunsch von Menschen nach Frieden.

Es ist gut, alljährlich am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken. Es ist gut, dass wir uns an diesem Tag bewusst machen: Frieden, Freiheit und materielle Sicherheit, wie wir sie leben und erleben dürfen, sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind ein hohes Gut, für das wir Verantwortung tragen.
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Die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau verfügt über eine außergewöhnliche kulturelle und landschaftliche Vielfalt. Mit dem UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches – Obergermanisch-Raetischer Limes“ und der Welterbestadt Bad Ems vereint sie gleich zwei Welterbestätten auf engstem Raum. Dieses besondere Erbe möchten Oliver Krügel und der Limes-Experte Conrad Lunar im Rahmen einer gemeinsamen Welterbe-Wanderung erlebbar machen. Conrad Lunar lebt in Heimbach-Weis und engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich dafür, das römische Erbe und den Limes für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar zu machen. Er gilt als Initiator des Neuwieder „Drachenkopfwegs“ und setzt sich mit zahlreichen Projekten für die Vermittlung der römischen Geschichte in der Region ein. Die rund 32 Kilometer lange Wanderung findet am Sonntag, 2. August 2026, statt und führt durch reizvolle Landschaften sowie entlang bedeutender geschichtlicher Orte. Start ist um 8.00 Uhr an der Grillhütte in Arzbach. Ziel ist das Limeskastell in Pohl, das gegen 17.30 bis 18.00 Uhr erreicht werden soll. Unterwegs sind mehrere Pausen vorgesehen: * ca. 10.15 Uhr an der Ottmar-Canz-Brücke in Bad Ems, * ca. 12.15 Uhr in Becheln, * ca. 13.45 Uhr an der Linde in Schweighausen sowie * ca. 15.00 Uhr am Friedhof in Dornholzhausen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Interessierte müssen nicht die gesamte Strecke zurücklegen. Ein Zu- oder Ausstieg ist an den einzelnen Wegpunkten jederzeit möglich. Ebenso sind Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, die Wandergruppe an den Haltepunkten zu besuchen und mit Oliver Krügel sowie Conrad Lunar ins Gespräch zu kommen. „Wir leben in einer Region, um die uns viele beneiden. Mit gleich zwei UNESCO-Welterbestätten verfügen wir über ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dieses Potenzial sollten wir für unsere Heimat, den Tourismus und die regionale Wertschöpfung noch stärker nutzen. Gleichzeitig möchten wir Geschichte nicht nur erzählen, sondern gemeinsam erleben“, so Oliver Krügel. Während der Wanderung wird Conrad Lunar immer wieder spannende Einblicke in die Geschichte der Römer und des Limes geben und historische Zusammenhänge erläutern. Die Veranstaltung soll zugleich zeigen, welche Chancen das Welterbe für die touristische Entwicklung der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau bietet und wie sich Natur, Geschichte und Naherholung miteinander verbinden lassen. Für die Teilnahme werden festes Schuhwerk, wettergerechte Kleidung sowie ausreichend Getränke und eine kleine Verpflegung empfohlen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, allerdings freuen wir uns über jede Zuschrift/Ankündigung/Rückfrage an team@oliverkruegel.de Der geplante Streckenverlauf: * 8.00 Uhr – Start an der Grillhütte in Arzbach * ca. 10.15 Uhr – Ottmar-Canz-Brücke Bad Ems (Pause) * ca. 12.15 Uhr – Becheln (Mittagspause) * ca. 13.45 Uhr – Linde Schweighausen (Pause) * ca. 15.00 Uhr – Friedhof Dornholzhausen (Pause) * ca. 17.30 bis 18.00 Uhr – Ankunft am Limeskastell Pohl
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