Welterbe – Was nun?

Oliver Krügel • 2. August 2021
Wir sind Welterbe. Darüber dürfen wir uns alle freuen. Unsere kleine Stadt ist Teil der „Great Spa Towns of Europe“, der bedeutenden Kurorte Europas, wie die neue Welterbestätte nunmehr heißen wird. Wir haben von vorn herein gesagt: das bedeutet gleichermaßen eine ganz große Chance und eine ganz große Verantwortung. Über beides werden wir in nächster Zeit nachdenken und sprechen müssen, auf vielen Ebenen. An dieser Stelle nur einige Gedanken.
„Welterbe ist kein Tourismuslabel“. Das sagten uns die Vertreter aus dem Kultusministerium bereits, als wir erstmals im Stadtrat darüber sprachen. Der UNESCO geht es nicht darum, das Gastgewerbe oder die regionale Wirtschaft zu fördern, wenngleich eine solche Anerkennung neue Gäste mit sich bringt und eine gute Werbung darstellt. Der UNESCO geht es einzig um den Schutz eines Gutes, und zwar eines Gutes, das sie nunmehr als Teil des kulturellen Erbes der Menschheit ansieht. Im umfangreichen, 1400 Seiten starken Nominierungsdokument mussten wir, die beteiligten Staaten, Bundesländer und Städte, detailliert darlegen, wie der Schutz des Stadtbildes, der Baudenkmäler und der umgebenden Kurlandschaft funktioniert, welche rechtlichen Instrumente greifen und welche Zuständigkeiten es gibt. Ein übergeordneter Managementplan der elf Städte beschreibt gemeinsame Ziele, Handlungsfelder und Maßnahmen. Daraus leitet jede Stadt einen lokalen Managementplan ab. Dieser liegt in seiner ersten Fassung auch für Bad Ems vor und kann von interessierten Bürgerinnen und Bürgern eingesehen werden. Allerdings sind noch nicht alle Teile auf Deutsch übersetzt. Die Stadt wird einen Stättenmanager (eng. Sitemanager) einstellen, dessen wichtigste Aufgabe es sein wird, alle Maßnahmen zum Schutz der Stätte zu koordinieren, aber auch das Welterbe zu vermitteln. Dabei wird diese Person eng zusammenarbeiten mit den zuständigen Stellen in Mainz, aber natürlich auch vor Ort mit der Verwaltung, dem Stadtbürgermeister, der Bürgerschaft und mit Investoren.
Was bedeutet das konkret? Die Teilstätte Bad Ems ist ein abgegrenztes Gebiet, das im Wesentlichen das historische Kurviertel umfasst. In großen Teilen deckt sie sich mit der Denkmalzone „Historisches Kurbad Bad Ems“. Diese Denkmalzone hat die Generaldirektion Kulturelles Erbe im Hinblick auf die besondere Bedeutung der historischen Bausubstanz geschaffen. Darüber hinaus umfasst die Teilstätte auch markante Teile unserer Kurlandschaft, vor allem den felsigen Hang der Bäderlei mit den Aussichtspunkten bis hinauf zum Concordiaturm und den Hang des Malbergs mit der Malbergbahn. Umgeben ist jede Stätte mit einer Pufferzone, die dem Schutz des Gutes dient und zum Beispiel visuelle Störungen verhindern soll. 
Welterbe ist keine „Käseglocke“. Die „Bedeutenden Kurstädte Europas“ sind keine antiken Baudenkmäler wie die Pyramiden von Gizeh, sondern lebendige Städte, die sich entwickeln. Diese Entwicklung muss aber sehr behutsam und umsichtig geplant und gelenkt werden. Das kulturelle Erbe ist ein wertvolles Gut und zugleich eine große Chance, die wir nicht zerstören oder beeinträchtigen dürfen. Alle neuen städteplanerischen Überlegungen, alle künftigen Bauvorhaben in der Kern- oder Pufferzone müssen auf den Prüfstand. Und zwar ab jetzt nicht nur auf den Prüfstand der städtischen Gremien und der Aufsichtsbehörden, sondern gegebenenfalls auch auf den von ICOMOS, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege. Das bedeutet, dass Verfahren länger dauern und genauer geprüft werden. Es wird auch bedeuten, dass das eine oder andere Projekt in den betroffenen Zonen nicht oder nicht in der ursprünglich geplanten Form zustande kommen wird. Gewiss wird es auch zu Zielkonflikten kommen. Diese müssen wir ausdiskutieren und mit größter Sorgfalt unsere Schritte abwägen. 
Der Welterbestatus kann auch wieder aberkannt werden, wenn eine Stätte nicht genügend geschützt wird. Dresden ist ein Beispiel dafür, und leider seit der jüngsten Sitzung des Welterbekomitees auch Liverpool. Diese beiden Großstädte mögen es sich leisten können, auf das Prädikat „Welterbe“ zu verzichten. Bad Ems sollte einen anderen Weg einschlagen. Wir wollen unserer Verantwortung für ein Stück kulturelles Erbe der Menschheit gerecht werden, zum Wohle unserer Stadt, der Bürgerinnen und Bürger und unserer Gäste.

Die Verleihung des Welterbes möchten wir mit einer Feier begehen, zu der ich Sie bereits jetzt herzlich einladen möchte: 

Mittwoch, 1. September 2021, voraussichtlich um 19.00 Uhr im Marmorsaal.

Weitere Informationen zur Anmeldung sowie Veranstaltung folgen und sind maßgeblich abhängig von der dann gültigen Corona Bekämpfungsverordnung.

Oliver Krügel
Stadtbürgermeister

Ausführliche Informationen zum Welterbe erhalten Sie auf unseren Internetseiten:

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Die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau verfügt über eine außergewöhnliche kulturelle und landschaftliche Vielfalt. Mit dem UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches – Obergermanisch-Raetischer Limes“ und der Welterbestadt Bad Ems vereint sie gleich zwei Welterbestätten auf engstem Raum. Dieses besondere Erbe möchten Oliver Krügel und der Limes-Experte Conrad Lunar im Rahmen einer gemeinsamen Welterbe-Wanderung erlebbar machen. Conrad Lunar lebt in Heimbach-Weis und engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich dafür, das römische Erbe und den Limes für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar zu machen. Er gilt als Initiator des Neuwieder „Drachenkopfwegs“ und setzt sich mit zahlreichen Projekten für die Vermittlung der römischen Geschichte in der Region ein. Die rund 32 Kilometer lange Wanderung findet am Sonntag, 2. August 2026, statt und führt durch reizvolle Landschaften sowie entlang bedeutender geschichtlicher Orte. Start ist um 8.00 Uhr an der Grillhütte in Arzbach. Ziel ist das Limeskastell in Pohl, das gegen 17.30 bis 18.00 Uhr erreicht werden soll. Unterwegs sind mehrere Pausen vorgesehen: * ca. 10.15 Uhr an der Ottmar-Canz-Brücke in Bad Ems, * ca. 12.15 Uhr in Becheln, * ca. 13.45 Uhr an der Linde in Schweighausen sowie * ca. 15.00 Uhr am Friedhof in Dornholzhausen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Interessierte müssen nicht die gesamte Strecke zurücklegen. Ein Zu- oder Ausstieg ist an den einzelnen Wegpunkten jederzeit möglich. Ebenso sind Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, die Wandergruppe an den Haltepunkten zu besuchen und mit Oliver Krügel sowie Conrad Lunar ins Gespräch zu kommen. „Wir leben in einer Region, um die uns viele beneiden. Mit gleich zwei UNESCO-Welterbestätten verfügen wir über ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dieses Potenzial sollten wir für unsere Heimat, den Tourismus und die regionale Wertschöpfung noch stärker nutzen. Gleichzeitig möchten wir Geschichte nicht nur erzählen, sondern gemeinsam erleben“, so Oliver Krügel. Während der Wanderung wird Conrad Lunar immer wieder spannende Einblicke in die Geschichte der Römer und des Limes geben und historische Zusammenhänge erläutern. Die Veranstaltung soll zugleich zeigen, welche Chancen das Welterbe für die touristische Entwicklung der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau bietet und wie sich Natur, Geschichte und Naherholung miteinander verbinden lassen. Für die Teilnahme werden festes Schuhwerk, wettergerechte Kleidung sowie ausreichend Getränke und eine kleine Verpflegung empfohlen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, allerdings freuen wir uns über jede Zuschrift/Ankündigung/Rückfrage an team@oliverkruegel.de Der geplante Streckenverlauf: * 8.00 Uhr – Start an der Grillhütte in Arzbach * ca. 10.15 Uhr – Ottmar-Canz-Brücke Bad Ems (Pause) * ca. 12.15 Uhr – Becheln (Mittagspause) * ca. 13.45 Uhr – Linde Schweighausen (Pause) * ca. 15.00 Uhr – Friedhof Dornholzhausen (Pause) * ca. 17.30 bis 18.00 Uhr – Ankunft am Limeskastell Pohl
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